Ein Euro. Drei Stunden. Und plötzlich war ich wieder da.
Über die Freude, die keinen Sinn ergeben muss
»Die wahre Entdeckung besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern mit neuen Augen zu sehen.« – Marcel Proust
Auf meinem Schreibtisch zuhause steht ein kleines buntes Plastikröhrchen. Pink. Immer, wenn ich es ansehe, muss ich lächeln.
Ich erinnere mich an diesen Tag im letzten Sommer: Ich stehe am Hotelzimmerfenster. Ein kleines Plastikröhrchen in der Hand.
Ich schließe die Augen. Und puste. Eine Seifenblase. Sie steigt langsam zwischen den Ästen nach oben. Fängt das Licht ein. Glitzert wie Kristalle.
Die nächste zerplatzt auf meiner Wange. Ein feuchter Kuss. Still. Leicht. Echt.
Und ich? Ich stehe da und grinse.
Ganz ehrlich? Das war einer der lebendigsten Momente meines letzten Jahres.
Ein Plastikröhrchen. Ein Euro. In Belgien.
Und ja … diese Freude hat mich drei Stunden gekostet. Drei Stunden durch Spielzeugläden. Supermärkte. Gefühlt durch halb Belgien.
Spoiler: Belgien hat offenbar eine ernsthafte Seifenblasen-Versorgungslücke.
Und dann hatte ich sie endlich. Diese kleinen, schillernden Dinger. Ich habe gepustet. Und gestaunt. Und gekichert.
Ich sage oft: Folge der Freude.
Aber ich meine nicht die große, vernünftige, erklärbare Freude. Nicht die, die sich gut im Lebenslauf macht. Ich meine die andere. Die kleine. Die schräge. Die völlig unnötige.
Die, für die man sich vielleicht keine Erlaubnis gibt. Weil sie zu kindisch ist. Zu simpel. Zu … sinnlos.
Was hat mich drei Stunden lang durch Belgien getrieben? Nicht Vernunft. Nicht Produktivität. Nicht „Das ergibt jetzt Sinn“. Nur dieser eine leise Impuls: Das will ich. Jetzt.
Und ich bin losgegangen. Für etwas, das keinen Sinn macht.
Und genau da ist etwas passiert: Ich war nicht produktiv. Ich war nicht vernünftig. Ich war nicht „richtig“. Ich war einfach da.
Und vielleicht ist genau das der Punkt: Lebendigkeit passiert nicht, wenn alles Sinn ergibt. Sondern wenn man aufhört, alles zu hinterfragen.
Wann hast Du Dir zuletzt erlaubt, etwas völlig Unvernünftiges zu tun – nur weil es Dich ruft? Welche kleine, verrückte Freude klopft gerade bei Dir an … und Du tust so, als würdest Du sie nicht hören? Und was wäre, wenn genau dort Deine Lebendigkeit auf Dich wartet?
Ich folge der Freude. Auch den kleinen.