Essay · 29. März 2026 · 5 Min. Lesezeit

Zwischen Jedi-Rittern und Elfen

Was mir eine Buchmesse über das Schreiben beigebracht hat.

Ich war auf der größten Buchmesse Deutschlands. Über 300.000 Besucher, mehr als 2.000 Aussteller aus 54 Ländern. Dazu noch eine Comic- und Anime-Convention gleich nebenan.

Und ich mittendrin. Zwischen Elfen, Jedi-Rittern und lebenden Pokémon-Figuren schiebe ich mich durch die Gänge. Rund ein Drittel der Besucher ist verkleidet, Cosplayer, kostumiert als ihre Lieblingsfiguren.

Zwischen Fantasie und sehr viel Realität.

Lange Schlangen vor den großen Namen. Die Schlange bei einem der bekanntesten deutschen Autoren zog sich gefühlt einmal quer durch die Halle.

Und ich? An meinem kleinen Self-Publisher-Stand. Meine Bücher waren vergriffen, schneller ausverkauft als geplant. Ich nehme das als Zeichen.

Ganz ehrlich: Am ersten Tag habe ich mich verloren gefühlt. Zwischen all diesen Stimmen. All diesen Erfolgen. All diesen Menschen, die scheinbar genau wussten, was sie taten.

Und da war er, dieser Gedanke: Wer will mich hier eigentlich? Und wie soll ich das jemals schaffen?

Dazu die Menschenmassen. Sie überfordern mich, komplett. Am Abend war ich leer. Wirklich leer.

Und dann saß ich in einem ruhigen Restaurant. Gedimmtes Licht. Weniger Stimmen. Mehr ich.

Und ich habe gemerkt: Ich brauche das. Diese Gegengewichte. Diese Räume, in denen ich wieder bei mir ankomme.

Am nächsten Tag hatte ich meine Bühne. Eine kleine, geschützte Ecke mitten im Messetrubel, eine echte Oase. Ein Interview. Thema: Gefährliche Nähe.

Und da war sie wieder. Zwischen all dem Lärm. Ganz leise, aber eindeutig: meine Stimme.

Ich wurde gefragt, wie sich Schreiben für mich anfühlt. Und meine Antwort kam nicht aus dem Kopf, sondern aus mir: Schreiben ist für mich kein Produzieren. Es ist ein Freilegen. Ein Abtragen von Schichten, bis etwas sichtbar wird, das vorher schon da war. Roh. Ehrlich. Unbequem. Und ich leide mit all meinen Figuren.

Auf dem Rückweg im Zug konnte ich plötzlich nicht mehr still sitzen. Ideen. Bilder. Szenen. Ich habe geschrieben, so schnell ich konnte. Als hätte etwas in mir nur darauf gewartet, dass ich wieder bei mir ankomme.

Ich bin nicht als die Erfolgreiche nach Hause gefahren. Ich bin als jemand nach Hause gefahren, der sich wieder ein Stück mehr traut, sie selbst zu sein.

Nichts läuft von allein, das habe ich an diesem Wochenende noch einmal gelernt. Und dass man sich in der Masse verlieren kann. Oder sich entscheiden kann, sich selbst nicht mehr zu übersehen.

Große Bühnen sind nichts ohne die eigene, innere Bühne. Wenn man sich selbst nicht hält, hält einen niemand.